Lifestyle
Schreibe einen Kommentar

Die Revolution der Prostitution

Heute gibt es bei Kissnapping einen Gastbeitrag der wunderbaren Mademoiselle Chouchou von Blog Böser Junge über die mediale Prostitution im deutschen Fernsehen. Ich bin gespannt, wie Euch der Artikel gefällt.

Ich liebe Tattoos, Bier und Essen. Aber wenn man sich mich mal so anguckt oder eventuell die Zeit findet, einen unangenehmen Small-Talk zu führen, würde man mir keins der genannten Dinge ansehen. Mein Körper sieht noch aus, wie der eines handelsüblichen Menschen. Ich führe keine Selbstgespräche in der Öffentlichkeit, kotze keine Menschen an und passe problemlos in mein Auto/durch die Tür/in den Sitz einer Spielplatz-Schaukel. Sonst bin ich zwar ein ganz sympathischer Mensch, mit dem man sicher irgendwelche Bauernhoftiere klauen kann, und mein Individualitätsinstinkt ist auch sehr ausgeprägt, aber im Großen und Ganzen würde mich der Großteil der deutschen Medienopferschaft als langweilig betiteln.

Man guckt sich lieber lustige Menschen an, die das Gesellschaftsbild sprengen und Sachen machen, die man eigentlich vielleicht nicht machen und die man schon gar nicht gut finden sollte. Pinke Haare oder implantierte Teufelshörner sind ja fast schon wieder normal. Normal im Sinne von, das ist doch natürlich. Man denkt da nicht mehr drüber nach, dass einem armen Menschen, dessen Hirn vermutlich auch schon einige Perforationen erlitt, da die Stirn aufgeschlitzt und ihm irgendwelche Dingse da reingepflanzt werden. Damit der aussieht wie Mephisto himself. Naja, jedem das seine, solange es mir nicht weh tut, ist mir das tatsächlich egal.

Was mir allerdings einen stechenden Schmerz in die Niveaugegend meines Hirns verursacht ist zum Beispiel das, was ich heute gesehen habe: Auf RTL lief ein irrsinnig journalistisch wertvolles Glanzstück an Reportage über eine Frau, die einen Laden für Übergrößen eröffnet hat. Ja ja, der führt sogar die Größe 20 XL. Sie selbst aber war ominöserweise bemerkenswert schlank. Es wurde das Inventar gezeigt und besungen. Parkplätze direkt vor der Tür, damit die armen dicken Frauen nicht zu weit laufen müssen. Extra angefertigte Riesenumkleiden, damit überhaupt die Chance besteht, einen Bruchteil des eigenen Fleisches betrachten zu können. Zwischendurch wurden O-Töne von betont lässigen adipösen Frauen gezeigt, die in den höchsten Tönen schwitzten. „Mein Mann stellt in der Wohnung alle paar Meter einen Stuhl auf, damit ich auf dem Weg zum Klo auch Pause machen kann.

Man wird jetzt wahrscheinlich völlig empört sein, wie ich es denn wagen kann, derart respektlos über eine arme diskriminierte Randgruppe zu reden. In meinen Augen liegt die Diskriminierung hier bei den Fernsehmachern. Und die Respektlosigkeit vielleicht sogar bei den Frauen selbst. Die sind ja nicht einfach pummelig à la Christina Aguilera in ihrem Presswurst-Body (Achtung: Hinweise darauf, dass selbst über eine Frau, die in zwei Jahren vielleicht fünf Kilogramm mehr drauf hat, ein Riesenfass aufgemacht wird. Krank.), sondern befinden sich mit ihren 300 Kilogramm schon in pre-finalen Sphären. Anstatt sich hechelnd über schöne Kleidchen zu freuen, sollten die lieber schleunigst anfangen, sich zu überlegen, was man machen könnte, damit die wieder vernünftig durch eine Einkaufsstraße bummeln können.

Das ist nur eins zahlreicher Beispiele, in denen sich Fernsehmacher in großer Manier an den Privilegien der Zuhälterei ergötzen. Ich nenne das mediale Prostitution. Da sieht man täglich irgendwelche einsamen Bauern, mit psychologisch bedenklichen Ticks, die die Frau fürs Leben suchen. Teenagertausch, bei der einem armen Mädchen aus der sozialen Unterschicht grausam vor Augen gehalten wird, wie es hätte sein können, wenn Mama und Papa nicht immer so viel Bier trinken würden. Man sieht bei Big Brother Menschen zu, die sich gegenseitig anschreien, anspucken, ablecken, ich weiß nicht was die da alles machen, aber es ist jedenfalls nicht normal. Und das gruselige ist. Das Konzept dieser Rumhurerei im Fernsehen basiert auf freiem Willen. So wie bei den Damen im Puff. Man unterschreibt ein paar Verträge, die man sich wahrscheinlich nicht mal durchliest (für den Fall, dass die Fernsehkandidaten das überhaupt gelernt haben. Bei manchen bin ich mir nicht so sicher). Dann macht man was erniedrigendes für andere Leute und kassiert dann ein bisschen Kohle.

Ich möchte mich hier noch schnell entschuldigen, dass ich das wunderschöne Metier der klassischen Prostitution derart in den Dreck ziehe, aber es dient nun mal als bestes Beispiel dafür, diesen Schund zu erklären. Aber es sei gesagt: Die Hure an sich ist deutlich besser dran. Die muss nicht ganz so dolle ihre Seele verkaufen und belästigt mit ihrem Tun auch niemanden. Nun mal zur anderen Seite des Fernsehgerätes: Den Zuschauern. Tagtäglich sitzt ein Haufen Menschen vor dem heimischen Fernsehgerät, die sich solche Sachen sehr gerne ansehen. Die denken sich dann, die haben’s viel besser. Die fragen sich, wie jemand der so aussieht, überhaupt ins Fernsehen gehen kann. Und morgen im Supermarkt steht man dann selber vor einem idiotisch grinsenden Daniel Hartwich und sagt die Sozialistische Partei Deutschlands (SPD) sei die beste, weil ist so. Genau.

Das Problem ist einfach, dass die meisten Menschen sich gerne im Fernsehen angucken, wie schlecht es anderen Menschen gehen kann, aber selbst nicht merken, in was für einer Tragödie sie sich selber befinden. Im Endeffekt ist der Typ da im Fernsehen, der dem Kachelmann die Krätze an den Hals wünscht, der nächste, der eine hilflose Oma in der U-Bahn zusammenschlägt. Dieses Phänomen Halbwissen, das aus solch einer medialen Sklaverei resultiert ist ein ganz gefährliches. Menschen haben einfach keine Lust, sich mit Themen auseinander zu setzen und knallen sich lieber die coolsten Schlagzeilen rein.

Da kommt dann einer daher gelaufen und behauptet Nationalsozialsten, wären auch nur Sozialisten. Um im Schlimmsten Fall werden solche Arschbacken dann deine Vorgesetzte oder Politiker oder so. Im Grunde genommen kann ich aber auch einfach jetzt den Fernseher ausmachen und zurück zur Uni gehen, um dann schön, reich und klug zu werden. Dann kauf ich RTL, Viva und ProSieben und fusioniere mit Arte, ARD und 3Sat. Dann gibt’s nur noch Reportagen über lustige Waldtiere, französische Stummfilme und Biopics über die wichtigsten literarischen Schaffer der letzten 564 Jahre. Ich freue mich schon.

© Jorg Pützler – Fotolia.com

Kategorie: Lifestyle

von

Schön, dass du auf meinem Blog gelandet bist. Ich bin Kati und Ich blogge für Kissnapping über die Liebe und das Leben. Außerdem schreibe ich übers Reisen - meiner zweitgrößten Leidenschaft ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.