Emotionen
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Für dich…

Händchen halten

Es war einmal ein blondes Mädchen mit einem rosa Tüllrock, das auf einer Party einen Mann kennenlernte, der ihr Herz berührte.

„Verdammt, warum muss es ausgerechnet heute regnen“, dachte ich, während ich meine nassen Sandalen in den Händetrockner hielt. Die anderen Frauen auf der Damentoilette guckten ein wenig pikiert. Eine von ihnen schüttelte kaum merkbar den Kopf. Ich ignorierte sie, hielt meine Schuhe weiter in das Gerät, während die warme Luft ihr bestes gab, um das Leder zu trocknen. Immer wieder öffnete sich die Tür, wenn eine neue Frau die Toilette betrat oder eine andere sie verließ. Und jedes mal schielte ich nach draußen, denn dort saß er auf einer Bank. Er war mir schon vor meinem Toilettenbesuch aufgefallen, oben an Deck. Er stand ganz in der Nähe, ich war mir jedoch nicht sicher, ob er mich ebenfalls bemerkt hatte. Einmal trat ich ihm auf die Füße, als er plötzlich hinter mir war. Ich drehte mich um und lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Die meiste Zeit jedoch schien er mich zu ignorieren. Ich zog meine immer noch klammen Schuhe wieder an und trat aus der Toilette. Er saß immer noch da.

Ich ging an ihm vorbei, die Treppe hoch an Deck. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen, aber der Boden war immer noch von unzähligen Pfützen übersät und der eisige Wind blies mir heftig ins Gesicht. Meine Freundin Jenny stellte sich an die Stelle, an der wir auch vorher schon gestanden hatten. Musik dröhnte vom DJ-Pult zu uns herüber. Die meisten Passagiere tanzten und hatten definitiv ihren Spaß. Vermutlich war ich die einzige, die keinen hatte. „Bitte lass das Schiff bald anlegen, damit wir endlich nach unten gehen könnte“, dachte ich verzweifelt. Mir war inzwischen so kalt, dass ich meine Füße nicht mehr spürte, aber ich wollte keine Spielverderberin sein.

Dann stellte er sich auf einmal neben uns. „Ob das wohl Absicht war?“, fragte ich mich kurz, verwarf den Gedanken jedoch schnell wieder, denn er machte keine Anstalten mit mir zu flirten. Schließlich gingen Jenny und ich zur Reling, um ein Foto von uns zu machen. Da sprang er uns unverhofft ins Bild. Wir lachten. Ein neuer Versuch. Wieder sprang er mit einem Satz dazwischen. Schließlich fragte er uns, ob er das Foto machen soll. Ich strahlte ihn an, während er das Bild schoss. Doch das Schicksal spielte mir einen Streich. Statt sich mit mir zu unterhalten, sprach er die ganze Zeit mit Jenny, während sich sein kleiner, dicklicher Arbeitskollege um mich bemühte. „Du schreibst also für eine Zeitung“, fragte mich der etwas zu kurz geratene Mann bereits zum dritten mal. Ich verdrehte innerlich die Augen. Neben mir standen Jenny und Fabian, wie ich inzwischen wusste. Jenny lachte lauthals über seine Witze. „Okay“, sagte ich zu mir. „Man muss auch gönnen können.“ Dann hielt das Schiff endlich an und wir gingen alle zusammen unter Deck. Und plötzlich wendete sich das Blatt.

Ich hatte eigentlich beschlossen, mich aus dem Spiel zurückzuziehen, schließlich hatte Fabian ein eindeutiges Interesse an meiner Freundin. Doch dann geschah etwas zwischen uns. Wir unterhielten uns und ich bemerkte etwas. Kleinigkeiten irgendwie. Wir stellten sehr viele Gemeinsamkeiten fest. Wir berührten uns immer wieder zufällig. Wir lachten viel. Auf einmal war Jenny abgeschrieben. Es war keine Absicht von mir, ihr den Flirt auszuspannen. Ich hatte nicht vor, dazwischen zu funken. Es hatte sich einfach so ergeben. Als sie ging, war ich ein bisschen erleichtert. „Ist es okay, wenn ich hier bleibe?“, flüsterte ich ihr zu als sie sich verabschiedete. „Ich mag ihn irgendwie.“ Sie nickte.

Von da an lief alles wie von selbst. Wir tanzen, lachten, redeten. Ich drehte Pirouetten mit einem seiner Kollegen, ließ Fabian aber nicht aus den Augen, während ich die Flirtversuche des anderen sanft abwehrte. Schließlich gingen Fabian und ich zur Bar. „Diesmal zahle ich“, lachte ich. „Nichts da“, antwortete er. Ich ließ mich nicht abwimmeln, verlor jedoch beim Schere-Stein-Papier-Spielen, so dass er am Ende doch die Rechnung für unsere Getränke übernahm. Und dann küsste er mich. Einfach so. Ich war nicht überrascht, denn es fühlte sich richtig an. Als er sich zurückzog, schaute ich ihn an und lächelte. Dann küsste ich ihn noch einmal.

Von da an verging der Abend wie im Flug und wir verließen als letzte das Schiff. Hand in Hand streiften wir durch die Nacht. Wir steuerten eine Bar an, die aber gerade ihre Türe schloss. Wir überlegten, wohin wir sonst noch gehen könnten. Er war zu Besuch in meiner Stadt, nur diese eine Nacht. Als uns nichts einfiel, setzten wir uns auf eine Bank. Ich legte meine Beine über seine, lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Immer wieder küssten wir uns, redeten, hielten Händchen. Minuten vergingen, vielleicht auch Stunden. Ich hatte mein Zeitgefühl komplett verloren. Schließlich liefen wir zu seinem Hotel und wussten, dass der Abschied unausweichlich war.

Und so standen wir dort, versuchten diesen Moment auszukosten und ihn für immer festzuhalten. Er hielt die Arme fest um mich geschlungen und immer wieder berührten sich unsere Lippen zu zarten Küssen. Ich entschied, dass es an der Zeit war zu gehen. Man muss immer dann gehen, wenn es am schönsten ist, heißt es, und da ist auch etwas wahres dran. Ich rief ein Taxi. „Wollen wir nicht doch Nummern austauschen“, fragte ich vorsichtig. Er verneinte. „Das würde nicht funktionieren“, sagte er ernst. „Ja, es ist wohl vernünftiger“, räumte ich ein. Die Entfernung war einfach zu groß. „Aber ich werde dich finden, wenn ich feststelle, dass es ein Fehler war, dich gehen zu lassen.“

Das Taxi kam und wir küssten uns ein letztes mal. Wir hielten uns fest wie Ertrinkende. Als ich ich im Wagen saß, drehte ich mich noch ein letztes mal zu ihm um. Er stand da und sah mir traurig nach. Dann fuhr das Taxi los.

Kategorie: Emotionen

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Schön, dass du auf meinem Blog gelandet bist. Ich bin Kati und Ich blogge für Kissnapping über die Liebe und das Leben. Außerdem schreibe ich übers Reisen - meiner zweitgrößten Leidenschaft ;-)

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