Wenn Nähe zu Enge wird

By on Dezember 1, 2014
Claustrophobia

Meine erste große Liebe lernte ich mit 18 kennen. Ich war ein Spätzünder in dieser Hinsicht, denn außer Küssen war bisher nicht viel gewesen. Aber als ich ihn auf der Party eines Freundes traf, lief jedoch alles von ganz alleine. Zwei Tage später waren wir schon ein Paar. Von da an trafen wir uns jeden Tag und unternahmen alles miteinander. Meine Freundinnen vertröstete ich erst mit immer neuen Ausreden und schrieb sie irgendwann ganz ab. Ich brauchte sie schließlich nicht mehr, denn ich hatte ja ihn. Nach drei Wochen sagte er, dass er mich heiraten will. Nach fünf Jahren waren wir verlobt.

Aber mit der Zeit passierte etwas mit mir. Ich bekam keine Luft mehr in unserer Beziehung und fühlte mich wie ein Tiger im Käfig. Ich konnte mir jedoch in keinster Weise erklären, woher dieses Gefühl kam. Ich fand meinen Freund nach wie vor wahnsinnig attraktiv, wir verstanden uns unheimlich gut, hatten die gleichen Hobbies und Interessen, stritten uns nie und seine Familie war inzwischen wie meine eigene geworden. Nur schlafen wollte ich mit ihm irgendwie nicht mehr. Das verstand ich damals nicht und schob die Schuld auf mich. Denn wenn schließlich alles gut ist, konnte es ja nur an mir liegen, dass die Lust auf der Strecke geblieben ist, oder?

Aber noch etwas anderes rührte sich in mir: Das Gefühl, dass mich jemand aus dieser Beziehung retten müsste. Denn eines war klar, von alleine würde ich es nicht schaffen, dort auszubrechen. Aus dem Käfig. Hatte ich ihn mir selbst geschaffen oder war er dafür verantwortlich? Ich verstand dieses Gefühl des Eingesperrtseins nichts. Es lief doch alles gut und wir stritten uns noch nicht einmal. Aber ich fürchte genau das war das Problem. Wir stritten uns nicht, weil ich meine Bedürfnisse hinten angestellt hatte. Er wollte zum Kaffee trinken zu seinen Eltern und ich hatte keine Lust… am Ende ging ich doch mit, weil er mich dazu überredet hatte. Ich brauchte einfach mal Zeit für mich und wollte in Ruhe ein Buch lesen, ließ es dann aber sein, weil er lieber mit mir kuscheln wollte. Ich wollte gerne ein Eis essen, aber er sagte, das müsse doch jetzt nicht sein. Also verzichtete ich darauf. Er war nicht dominant oder so. Er war auch nicht besonders maskulin. Aber mir fehlten irgendwie die Argumente, mich gegen ihn zu wehren. Schließlich hatte ich schlicht und einfach keine Lust oder das Bedürfnis, etwas zu tun. Wie sollte man das kommunizieren ohne als selbstsüchtig darzustehen? Am Ende gab ich mich und meine Bedürfnisse auf.

Das einzige, was ich irgendwann nicht mehr bereit zu geben war, war mein Körper. Der streikte nämlich bzw. die Lust auf ihn. Weil er mir keine Raum für mich und meine Persönlichkeit übrig ließ, beanspruchte ich wenigstens meinen Körper für mich. Den wollte ich ihm nicht komplett überlassen, denn er gehörte mir. Am Ende schaffte ich es doch noch aus der Beziehung auszubrechen, aber der entstandene Schaden war enorm. Ich suchte mir ab sofort nur noch Männer, die nicht in der Lage waren, mir Nähe zu geben. Denn vor zuviel Nähe hatte ich eine Heidenangst. Zu viel Nähe bedeutete Enge – und was das heißt, hatte ich ja am eigenen Leib erfahren.

blogger-packen-aus_Logo-300x200Dieser Artikel ist Teil einer Serie, an der sich verschiedene Blogger beteiligen. Sie alle lassen die Hosen herunter und schreiben über ihre wichtigste Beziehungserfahrung.

Es gibt einige interessante Ansichten zu dem Thema. Schau doch mal ihnen vorbei:

 

Weitere Artikel zum Thema „Meine wichtigste Beziehungserfahrung“ findest du hier:

© lassedesignen

Comments

comments

About Mrs. Kolumna

Checkt die neuesten Trends im Netz und bloggt darüber mit viel Herz. Kein Wunder, dass die Liebe auch ihr Lieblingsthema ist.

6 Comments

  1. Pingback: Meine wichtigste Beziehungserfahrung | Deine perfekte Beziehung

  2. Pingback: Warum Menschen in unserem Leben kommen und gehen - HealthYouBlog

  3. Pingback: Die eine Frage, die du deinem Partner unbedingt stellen musst. | Benedikt Ahlfeld • Ein Leben nach eigenem Standard.

  4. Pingback: Mehr als ein Jahr: wie meine Fernbeziehung mich verändert hat

  5. Sergej Ryan Fischer

    13/03/2015 at 14:20

    Aus diesem Grund sollte der Partner dich jederzeit dabei unterstützen, das beste aus dir und deinem Leben zu machen. Wenn dir nach welchen Hobbys oder Unternehmungen ist, dann solltest du diese unbedingt unternehmen. Ist er nicht der Typ dazu, hast du ja noch deine Freunde.

    Deshalb solltest du diesen auch einen gewissen Platz in deinem Leben einräumen, trotz Beziehung.

    Wenn dich dein Partner jedoch einengt, dich abhält, das zu tun, was dich glücklich machen würde, ist er leider nicht der Typ Mensch, den du dir in deinem Leben und in der Beziehung wünschst.

    So bleibt dir nur noch aus dem Käfig auszubrechen, so wie du es getan hast – großes Lob dazu!

  6. Pingback: Die Eine Frage, Die Du Deinem Partner Unbedingt Stellen Musst. | Benedikt Ahlfeld • Die Macht Der Entscheidung

Kommentar verfassen