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Schluss mit Luschig! Anleitung zur eMannzipation – Buchrezension

Schluss mit Luschig! Anleitung zur eMannzipation - Buchrezension

Beim Lesen des Buches zum Blog zum Roman „Für immer Juli“ ist mir als erstes die Frage aller Deutschunterrichtfragen in den Sinn gekommen: Was will der Autor uns damit sagen?! Oder besser: Was will dieses Buch sein?! Vollständige Klischeesammlung zum Thema Geschlechter? Ratgeber? Satire? Selbsttherapie eines Listenfreaks mit einer ausgeprägten 33-Fixierung? Man weiß es nicht, frau übrigens auch nicht…

Anleitung zum Mannsein

Was ich allerdings verstanden habe, ist, dass er die eMANNzipation des Mannes propagiert. Soweit so gut. Aber was versteht er unter eMANNzipation? Er schreibt: „… Frauen haben sich verändert. … haben sie gestiegene Ansprüche an die Männer: Groß und stark und gutverdienend reicht schon lange nicht mehr – auch einfühlsam, kultiviert und engagiert im Haushalt soll er sein, der Traumpartner von heute.“ Mag sein, dass ich auch schon zu den Frauen mit völlig überzogener Anspruchshaltung gehöre, aber diese drei zusätzlichen Eigenschaften sollten doch keine Krise der Männlichkeit auslösen. Oder doch…? Schauen wir uns diese drei Eigenschaften doch mal genauer an.
aber nicht nur negative Animationen. Schließlich gibt es auch Männer, die sich benehmen können.



Männliche Eigenschaften

1. einfühlsam: die Fähigkeit besitzend, sich in eine andere Person oder eine Situation hineinversetzen zu können und entsprechend zu reagieren. Ich behaupte mal ganz unverfroren, dass jeder Mann diese Fähigkeit in mehr oder weniger ausgeprägter Form besitzt. Sie ist nicht nur wichtig, um mit dem anderen Geschlecht in Kontakt und Verbindung zu treten, sie ist in allen zwischenmenschlichen Situationen gefordert. Dazu gehören in aller Regel auch berufliche Situationen.

2. kultiviert: gepflegt und gebildet. Diesen Anspruch sollte eigentlich jeder Mann an sich selbst schon haben, oder? Jeder natürlich in seinem Kontext und nach seinem Geschmack.

3. engagiert im Haushalt: Sei wenigstens keine Last für deine Mitmenschen! Ich denke, mehr erwartet niemand. Es sei denn, du hast drei Kinder und die sind faul, faul, faul…

Insgesamt also Eigenschaften, die nicht allzu viele Einbußen in Sachen Männlichkeit erfordern, ist meine Meinung. Die eigentliche Frage ist, ob es sinnvoll ist, Emanzipation und eMANNzipation, wie sie unser Autor fordert, in einen Topf zu rühren. Denn Frauen haben sich nicht um Emanzipation bemüht, um Männern zu gefallen, obwohl sie das zu allen Zeiten auch wollten und wollen, vielmehr ging es meinem Verständnis nach darum, unabhängig vom Mann zu werden. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Diese Unabhängigkeit von der Frau haben Männer zu jeder Zeit gehabt. Da besteht im Grunde genommen kein Handlungsbedarf von Seiten der Männer. Dass diese gesellschaftliche Veränderung auch eine Veränderung im Verhältnis zwischen Männern und Frauen nach sich zieht, steht auf einem anderen Blatt. Eine abhängige Frau ist sicherlich leichter zu binden und zu halten als eine unabhängige, vor allem wirtschaftlich unabhängige Frau.

Was ist eMannzipation?

Und da kommt dann die eMANNzipation ins Spiel. Aber kommen wir zu den Kernaussagen, was eMANNzipation in den Augen des Autors beinhaltet und seine Definition der neuen Männlichkeit sind:

1. Frauen haben Jahrhunderte für ihre Gleichberechtigung gekämpft. Männer sind jetzt an der Reihe mit geschlechterspezifischer Anpassung. Soll wohl das ausdrücken, was ich gerade schrieb. Aber sind da wirklich nur die Männer gefordert? Nicht auch Frauen und allen voran die Eltern?

2. Metrosexuell geht gar nicht! Ja, ist echt nicht sooo toll…

3. Gleichberechtigung und Emanzipation sind selbstverständlich, sexuelle Belästigung geht gar nicht und #aufschrei, wer es anders sieht! Jaja, Brüderle ist doof!

4. Chancengleichheit im Beruf ist cool und Partnerinnen, die mehr verdienen, auch. Was ist denn Chancengleichheit? Quote? Und das Problem mit der besserverdienenden Partnerin dürfte auch eher darin liegen, dass sie ein Problem damit hat. Es sein denn, du bist ein verkanntes Kunst- oder Musikgenie…

5. Männlichkeit ist großartig – Weiblichkeit auch. Okaaay…

6. Jagen, Sex und Fleischessen sind Facetten einer vielschichtigen Persönlichkeit. Da hoffe ich sehr, dass Mann mehr kann…

7. Gefühle!!! Aber nur männliche, oder wie jetzt…?

8. Sturheit, Borniertheit und altmodische Rollenverständnisse sind passé, Wischiwaschi ist tabu! Es lebe die Souveränität! Revolutionär!

9. Habe Stil und sei smexy! Und wehe, du musst googlen, was das bedeutet!

10. Tragt Frauen auf Händen und kümmert euch, aber lasst euch niemals einlullen und drückt euch stets klar aus! Eine Anleitung dazu wäre ganz hilfreich…

11. Sei eine gelungene Melange aus Gentleman und Playboy: Sei zuvorkommend und spiel! Ja, komm raus zum Spielen – aber sei so zuvorkommend und lass mich gewinnen!

Fazit

Unterhaltsam – ja, irgendwie schon. Aber da ich am Ende nicht weiß, was der Autor mir eigentlich sagen wollte, kann ich auch nicht beurteilen, ob es ihm gelungen ist. Möglicherweise kann ich als Frau auch gar nicht ermessen, in welchen Nöten das männliche Selbstverständnis steckt. Ach ja, wie war das nochmal mit der Einfühlsamkeit…?

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