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Begegnung mit der Liebe – Bindungsängste in Prosa

Begegnung mit der Liebe - Bindungsängste in Prosa

Über Bindungsängste wurde schon viel geschrieben. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Erklärungen und psychologische Abhandlungen. Ich habe jetzt mal versucht, Bindungsängste in eine poetische form zu gießen. Aber lest selbst.

Bindungsängste in Prosa

Die Liebe und ich sind keine besonders guten Freunde. Eher Bekannte würde ich sagen. Wenn wir uns auf der Straße begegnen, lächeln wir uns nett an und gehen dann zügig weiter. Ich gehe in Richtung „bloß nicht festlegen wollen“; die Liebe hingegen trifft sich mit anderen, schaut mal hier oder da vorbei, und bei dem einen oder anderen bleibt sie sogar richtig lange zu Besuch. Ich würde der Liebe gerne „Hallo“ sagen und dass ich sie gerne kennen lernen würde. Aber ich habe auch bedenken, dass sie mich vielleicht nicht mögen könnte.




Außerdem sind da ja noch meine anderen Freunde, die mir Flausen in den Kopf setzen. Die Angst flüstert mir zum Beispiel zu, dass die Liebe gefährlich sei. Sie könnte mich verletzen – oder viel schlimmer noch – mir das Herz herausreißen. Auch die Unsicherheit rät mir von einer Freundschaft mit der Liebe ab. Was, wenn die Liebe dich gar nicht als Freund haben will und nur aus Mitleid mit dir zusammen ist, sagt sie. Ganz andere Töne schlägt hingegen der Stolz an. „Du hast es gar nicht nötig, mit der Liebe befreundet zu sein“, raunt er mir zu und schmeißt sich in die Brust. „Wir sind viel besser als die Liebe und kommen gut ohne sie klar.“

So streifen sich tagein und tagaus die Wege von der Liebe und mir. Wenn sie da so am Straßenrand steht und mir zuwinkt, mache ich manchmal einen kleinen Schritt auf sie zu, überlege es mir dann aber doch wieder anders, drehe mich schnell um und gehe in die entgegen gesetzte Richtung. Ein-, zweimal haben wir auch ein paar nette Worte miteinander gewechselt. Es fühlte sich gut an, muss ich sagen. So innig und vertraut. Doch dann fiel mir wieder ein, was meine anderen Freunde über die Liebe sagen… die Angst, die Unsicherheit und der Stolz. Und die müssen ja wissen, wovon sie sprechen, oder? Schließlich sind sie schon sehr lange meine ständigen Begleiter…

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